Wer eine Nahrungsergänzung für Frauen ab 45 in die Hand nimmt und die Zutatenliste liest, stößt immer wieder auf dieselben vier Namen: Shatavari, Maca, Salbei und Sibirischer Ginseng. Vier Pflanzen von drei Kontinenten, die in fast jeder Frauen-Formel auftauchen. Aber was sind das eigentlich für Pflanzen – und was sagt so eine Zutatenliste wirklich aus?
Dieser Beitrag erklärt, woher die vier kommen, was in ihnen steckt und worauf du achten solltest, wenn du zwei Produkte miteinander vergleichst. Was wir dabei bewusst nicht tun: dir Wirkungen versprechen. Warum das so ist – und warum ein Hersteller, der es trotzdem tut, ein Problem hat – liest du weiter unten.
Vorab: Warum du hier keine Wirkversprechen findest
Pflanzliche Zutaten stehen in der Europäischen Union in einer besonderen Warteschleife. Als die EU 2012 festlegte, welche gesundheitsbezogenen Aussagen für Lebensmittel erlaubt sind, wurden die Anträge zu Pflanzenstoffen zurückgestellt – sie stehen bis heute „on hold". Fachlich heißt das: Sie sind weder geprüft noch abgelehnt. Praktisch heißt es: Ein Nahrungsergänzungsmittel darf zu Shatavari, Maca, Salbei oder Ginseng keine gesundheitsbezogene Aussage treffen.
Deshalb beschreiben wir hier Herkunft, Botanik und Inhaltsstoffe – und keine Wirkung. Wie diese Regeln im Detail funktionieren und warum manche Anbieter sie sehr großzügig auslegen, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben: Was auf einem Wechseljahres-Produkt stehen darf – und was nicht.
Shatavari – die Spargelwurzel aus dem Ayurveda
Asparagus racemosus ist tatsächlich mit unserem Spargel verwandt: ein rankender Strauch aus den Trockenwäldern Indiens, Sri Lankas und des Himalaya-Vorlands. Verwendet werden die fingerdicken, stärkehaltigen Speicherwurzeln, die in Bündeln unter der Pflanze sitzen.
In der ayurvedischen Tradition wird Shatavari der Gruppe der Rasayana zugerechnet – einer Sammelkategorie für allgemein stärkend eingeordnete Pflanzen. Der Sanskrit-Name wird meist mit „die hundert Wurzeln habende" übersetzt. Solche traditionellen Zuordnungen sind historische Beschreibungen – keine belegten Wirkungen und keine Aussage darüber, was ein Produkt tut.
Chemisch interessant sind vor allem die Steroidsaponine, die man nach der Pflanze Shatavarine genannt hat. Saponine sind seifenartige Pflanzenstoffe – dieselbe Stoffgruppe, zu der auch die Saponine in Hülsenfrüchten und Quinoa gehören, dort allerdings in anderer chemischer Bauart. Dazu kommen Schleimstoffe, die den charakteristisch weichen Charakter des Wurzelpulvers ausmachen.
Zur Studienlage ehrlich gesagt: Die klinische Forschung zu Shatavari am Menschen ist überschaubar. Es existieren kleinere Untersuchungen, überwiegend aus Indien, sowie eine ganze Reihe präklinischer Arbeiten. Von einer belastbaren Evidenzbasis, wie wir sie etwa von Vitamin D kennen, ist Shatavari weit entfernt. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir eine Geschichte.
Salbei – das Küchenkraut mit zwei Gesichtern
Salvia officinalis, der Echte Salbei, ist die einzige der vier Pflanzen, die vermutlich in deinem Garten wächst. Der Gattungsname kommt von lateinisch salvare, „heilen" – ein Hinweis darauf, wie lange diese Pflanze im Mittelmeerraum schon eine Rolle spielt.
Für die Verwendung ist ein Unterschied entscheidend, der auf Verpackungen gerne verschwimmt: Salbeiblätter und Salbeiextrakt sind nicht dasselbe. Das getrocknete Blatt, wie du es als Tee oder Gewürz kennst, enthält ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide in der Konzentration, die die Natur vorgesehen hat. Ein Extrakt konzentriert bestimmte dieser Bestandteile – je nach Verfahren um ein Vielfaches.
Wichtig zu wissen: Eine Pflanze kann parallel als Arzneidroge und als Lebensmittelzutat verwendet werden. Ein Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb trotzdem kein Arzneimittel und darf arzneiliche Aussagen nicht übernehmen – auch dann nicht, wenn dieselbe Pflanze drinsteckt. Diese Grenze ist scharf, und sie ist der Grund, warum seriöse Anbieter an dieser Stelle auffällig wortkarg werden.
Maca – die Knolle aus 4.000 Metern Höhe
Lepidium meyenii gehört, anders als man vermuten würde, zu den Kreuzblütlern – botanisch also in die Verwandtschaft von Radieschen, Senf und Kohl. (Ob die kultivierte Maca botanisch korrekt Lepidium meyenii oder Lepidium peruvianum heißen müsste, ist unter Fachleuten bis heute strittig; auf Etiketten steht meist die erste Variante.) Ihre Heimat ist die peruanische Puna, eine Hochebene der Anden auf rund 4.000 Metern. Dort wachsen kaum noch Nutzpflanzen: extreme Kälte, starke UV-Strahlung, ständiger Wind. Maca gedeiht trotzdem und wird dort seit Jahrhunderten als Grundnahrungsmittel angebaut, getrocknet und gelagert.
Es gibt Maca in mehreren Farbschlägen – gelb, rot und schwarz –, die traditionell unterschiedlich eingeordnet werden und sich auch in ihrem Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen unterscheiden. Gelbe Maca ist die häufigste und macht den Großteil der Ernte aus.
Analytisch findet man in der Knolle unter anderem Macamide – Fettsäureamide, die bislang nur in dieser Pflanze nachgewiesen wurden – sowie Glucosinolate, aus denen beim Zerkleinern die scharf schmeckenden Senföle entstehen. In Peru wird Maca traditionell nicht roh verzehrt, sondern gekocht oder als getrocknetes Mehl verarbeitet.
Sibirischer Ginseng – der Namensvetter, der keiner ist
Hier lohnt es sich, genau hinzusehen, denn der deutsche Name führt in die Irre. Eleutherococcus senticosus ist kein Ginseng. Der echte Ginseng ist Panax ginseng; Eleutherococcus gehört zwar zur selben Pflanzenfamilie (Araliengewächse), ist aber eine völlig andere Gattung mit anderen Inhaltsstoffen.
Die Pflanze ist ein dorniger Strauch aus der Taiga Ostsibiriens, der Mandschurei und Nordjapans. Ihre Leitsubstanzen werden als Eleutheroside zusammengefasst – anders als die Ginsenoside des echten Ginsengs ist das allerdings keine einheitliche Stoffklasse, sondern eine bunt zusammengesetzte Gruppe aus Lignanen, Cumarinen und verwandten Verbindungen. Wer die beiden Pflanzen gleichsetzt, vergleicht botanisch etwa so präzise wie Erdbeeren mit Äpfeln, weil beide Rosengewächse sind.
Der Begriff „Adaptogen", der in diesem Zusammenhang oft fällt, stammt aus der sowjetischen Forschung der 1940er- und 1950er-Jahre. Er ist bis heute kein regulatorisch oder pharmakologisch definierter Begriff – eher ein Sammelbegriff für ein Konzept als eine belegte Stoffkategorie. Auch hier gilt: Der Name auf der Packung ersetzt keine Evidenz.
Der Punkt, den fast niemand erklärt: das Extraktverhältnis
Wenn du zwei Produkte vergleichst, ist dies die nützlichste Zahl auf der Packung – und die am seltensten erklärte. Auf guten Etiketten steht hinter einem Pflanzenextrakt ein Verhältnis wie 10:1 oder 25:1 (DEV, Droge-Extrakt-Verhältnis).
Es bedeutet: Aus 10 Kilogramm getrocknetem Pflanzenmaterial entsteht 1 Kilogramm Extrakt. 100 mg eines 10:1-Extrakts entsprechen also rechnerisch dem Ausgangsmaterial von rund 1.000 mg getrockneter Pflanze. Bei 25:1 sind es entsprechend 2.500 mg.
Warum das für den Vergleich zweier Produkte entscheidend ist:
- 100 mg Extrakt sind nicht gleich 100 mg Pulver. Ein Produkt mit „500 mg Maca-Pulver" wirkt auf dem Etikett großzügiger als eines mit „100 mg Maca-Extrakt 10:1" – rechnerisch steckt im zweiten das Doppelte an Ausgangsmaterial.
- Ohne Verhältnisangabe ist die Menge nicht bewertbar. Wenn auf einem Etikett nur „Maca-Extrakt 100 mg" steht, ohne DEV, kannst du daraus schlicht nichts ableiten.
- Ein höheres Verhältnis ist nicht automatisch besser. Beim Konzentrieren reichern sich manche Inhaltsstoffe an, andere gehen verloren – je nach Lösungsmittel und Verfahren. Ein 25:1-Extrakt ist ein anderes Produkt als die Pflanze, nicht bloß eine stärkere Version davon.
- Pulver hat trotzdem seine Berechtigung. Beim Wurzelpulver ist die Pflanze vollständig enthalten, inklusive Schleim- und Ballaststoffen. Deshalb kombinieren manche Formeln bewusst Pulver und Extrakt.
Worauf du beim Vergleich sonst noch achten solltest
- Steht die Menge pro Tagesdosis oder pro Kapsel? Bei zwei Kapseln täglich halbiert sich die scheinbar große Zahl schnell.
- Ist die botanische Art genannt? „Ginseng" allein sagt nichts. Panax ginseng und Eleutherococcus senticosus sind verschiedene Pflanzen.
- Welcher Pflanzenteil? Wurzel, Blatt und Frucht unterscheiden sich in ihren Inhaltsstoffen erheblich.
- Sind alle Nährstoffe in der Tabelle deklariert? Vitamine und Mineralstoffe müssen mit Menge und Prozentwert aufgeführt sein – nicht nur in der Zutatenliste stehen.
- Werden Wirkungen versprochen? Wenn ein Nahrungsergänzungsmittel dir konkrete Beschwerden verspricht, hält sich der Anbieter nicht an die Vorgaben der Health-Claims-Verordnung. Das ist weniger eine Frage des Geschmacks als eine des Vertrauens.
Und wo bleibt die Wirkung?
An dieser Stelle würden viele Texte jetzt liefern. Wir können es nicht – und zwar nicht aus Zurückhaltung, sondern weil die Datenlage zu diesen vier Pflanzen dünner ist, als der Ton der Branche vermuten lässt, und weil das Lebensmittelrecht entsprechende Aussagen ohnehin untersagt.
Was man sagen darf, betrifft die Nährstoffe, die einer Rezeptur zugesetzt werden – etwa Vitamin B6 und Chrom. Für sie wurde tatsächlich geprüft, welche Aussagen zulässig sind. Welche das genau sind und was sie bedeuten, steht in unserem Beitrag Wechseljahre und Mikronährstoffe: Was sich ab 45 am Bedarf wirklich ändert.
Unsere pflanzliche Kombination für Frauen findest du hier: Meno Assist – mit Shatavari-Wurzelpulver, Salbeiblätter-, Maca- und Sibirischem Ginseng-Extrakt sowie Vitamin B6 und Chrom. Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei. Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei. Die Mengen und Extraktverhältnisse stehen auf der Produktseite.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.